Der Westsahara-Konflikt




Die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) ist ein Staat im Exil. Auf ihrem Territorium wurde die Entkolonialisierung nicht vollzogen: die ehemalige Kolonialmacht Spanien 'verkaufte' 1975 die Westsahara an Marokko und Mauretanien, die das Land völkerrechtswidrig weiter besetzten. Die Bevölkerung, die Sahraouis, hatte keine Chance, über sich selbst und ihr Land zu bestimmen, was von der UNO verurteilt wurde. Ein großer Teil der Sahraouis wurde von den einrückenden Armeen in die Wüste getrieben und musste vor den Napalm- und Phosphorbomben der Verfolger hinter der algerischen Grenze Zuflucht nehmen. Die Bevölkerung führte mit ihrer Befreiungsbewegung ‘Frente POLISARIO’ gegen diese Landnahme einen bewaffneten Widerstandskampf und konnte einen Teil des Gebietes zurückgewinnen.
Marokko begann im Krieg mit der POLISARIO eine 2800 km lange Mauer zu bauen, um die Sahraouis von ihren wirtschaftlich ertragreichen Regionen fernzuhalten. 1991 ließ sich die POLISARIO auf einen Waffenstillstand unter der Maßgabe ein, dass ein Referendum über den Status der Westsahara von der UNO durchgeführt wird. Dieses wird bisher erfolgreich auf Grund von wirtschaftlichen Verwertungsinteressen (Öl, Mineralien, Fischbestände vor der Küste) und geopolitischen Interessen der westlichen Weltmächte blockiert. Auch die EU profitiert von dieser ungeklärten Situation, indem sie von Marokko Fischfangrechte auch in Gewässern erwirbt, die zur Westsahara gehören und über die Marokko laut Völkerrecht nicht verfügen dürfte.
Das Warten auf die Durchsetzung des Völkerrechts dauert bereits über 30 Jahre!
Kultur der Sahraouis
Auf dem Gebiet der Westsahara leben ca. 370.000 Einwohner_innen, vor allem Araber und arabisierte Berber. Davon leben ca. 165.000 Sahraouis in den Flüchtlingslagern in der Nähe der algerischen Stadt Tindouf. Bei den ursprünglich das Gebiet besiedelnden Sahraouis handelt es sich um arabische Nomaden. Gesprochen wird im von Marokko besetzten Teil überwiegend das marokkanische Arabisch von Zuwanderern aus dem Norden. Im befreiten Teil und den Flüchtlingslagern wird der Hassania-Dialekt, eine auch im benachbarten Mauretanien verbreitete regionale Form des Arabischen gesprochen. Nahezu 100% der Einwohner_innen sind Muslime. Ausführliche Informationen zur Kultur finden sich auf der Homepage der 'Österreichisch-saharauischen Gesellschaft':
Chronologie
Die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS) ist ein Staat im Exil. Auf ihrem Territorium wurde die Entkolonialisierung nicht vollzogen, damit gilt der Westsahara-Konflikt als letzter Kolonialkonflikt auf afrikanischem Boden.
1975: Die Kolonialmacht Spanien 'verkaufte' 1975 (gegen Zusicherung günstiger Phosphatlieferungen im ‘Abkommen von Madrid’) ihre Kolonie Westsahara an Marokko und Mauretanien, die daraufhin das Land ebenfalls völkerrechtswidrig besetzten. Die Bevölkerung, die Sahraouis, hatten keine Chance, über sich selbst und ihr Land zu bestimmen, was von der UNO verurteilt wurde. Ein großer Teil der Sahraouis wurde 1975 von den einrückenden Armeen in die Wüste getrieben und musste vor den Napalm- und Phosphorbomben der Verfolger hinter der algerischen Grenze Zuflucht nehmen, wo Flüchtlingslager in der Wüste entstanden.
1976: Am 27. Februar, dem Tag des Abzugs der Spanier, riefen die Sahraouis einen eigenen Staat aus, die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS). Diese wird von der Afrikanischen Union (AU) und weltweit insgesamt von ca. 50 Staaten anerkannt.
1975 - 1991: Die „Frente POLISARIO“, die Befreiungsbewegung der Sahraouis, führte gegen diese Landnahme einen bewaffneten Widerstandskampf und konnte einen Teil des Gebietes zurückgewinnen. Mauretanien unterlag und zog sich schnell wieder aus dem Krieg zurück. Marokko übernahm daraufhin auch die von Mauretanien besetzten Gebiete und begann, eine 2800 km lange Mauer zu bauen, um die POLISARIO von den wirtschaftlich ertragreichen Regionen fernzuhalten. 1991 ließt sich die POLISARIO auf Drängen und Vermittlung der UNO auf einen Waffenstillstand unter der Maßgabe ein, dass ein Referendum über den Status der Westsahara von der UNO durchgeführt wird.
Flüchtlingslager
Seit 1975 leben rund 165.000 sahraouische Flüchtlinge in vier Lagern auf algerischem Staatsgebiet nahe Tindouf. Die vier sog. Zeltstädte (Wilaya) gliedern sich in je vier Zeltdörfer (Dayra), welche sich wiederum aus je vier Barios zusammensetzen. Die Menschen leben mit ihren Familien in Zelten und Lehmhütten, in eher spartanischen Verhältnissen. Strom gibt es nur vereinzelt über solarbetriebene Aggregate. Die Landschaft gleicht der Oberfläche des Mondes, der Boden ist steinig und hart, die Umgebung ist zum größten Teil flach. Pflanzen wachsen dort kaum, vereinzelte Büsche und da und dort ein Baum, ansonsten besteht die Landschaft aus Sand und Steinen. Die extremen klimatischen Bedingungen (im Sommer mit bis zu 57° C im Schatten) machen eine eigene Versorgung nahezu unmöglich.
Soziale Situation
Die im Exil lebenden Sahraouis haben sich trotz der unwirtlichen Umgebung inmitten der Wüste und der damit verbundenen Versorgungsschwierigkeiten einen eigenen Staatsapparat mit sozialer Infrastruktur aufgebaut. Dieser entstand in Form von vier Flüchtlingslagern auf einem Gebiet, welches ihnen Algerien zur Verfügung stellte.
Diese Lager weisen die geringste Analphabetenrate des gesamten afrikanischen Kontinents auf. Dennoch sind die Lernbedingungen katastrophal: die Kinder werden max. fünf Jahre lang in Grundschulen von teilweise unausgebildeten Lehrern und ohne die benötigten Materialien unterrichtet. Es mangelt jedoch nicht nur an Fachkräften – auch die Versorgungsituation ist mangelhaft. Die Menschen leben mit ihren Familien in Zelten und Lehmhütten, das Wasser wird mit großen Tankwagen aus anderen Teilen Algeriens angeliefert.
Ein Überleben ohne die Unterstützung internationaler Hilfsorganisationen sowie der im Ausland arbeitenden Familienangehörigen wäre für die Sahraouis nicht möglich.
Situation der Jugendlichen
Besonders die junge Generation ist angesichts des aussichtslosen Lebens in den Wüstenlagern und der totalen Abhängigkeit von außen überaus frustriert. Diejenigen, die keine Chance im Ausland bekommen, können weder eine weiterführende Schul- noch Berufsausbildung absolvieren. Der Alltag ist schlichtweg trist und nagt an der psychischen Gesundheit.
Die sahraouische Jugendorganisation UJSARIO ist deswegen bestrebt, mit Hilfe ausländischer Unterstützung Jugendzentren aufzubauen, um Orte der gemeinsamen Begegnung und sinnvollen Freizeitgestaltung zu schaffen. Die mangelnde Schulbildung könnte hier zumindest mittels verschiedener Kursangebote ergänzt werden.
DARS
Die Demokratische Arabische Republik Sahara (DARS, auch Arabische Saharauische Demokratische Republik genannt) wurde im Verlaufe des Westsahara-Konfliktes am 27. Februar 1976 von der Frente Polisario ausgerufen. Die Exilregierung der DARS hat ihren Sitz in Rabouni in der Nähe von Tindouf (Algerien).
Die DARS beansprucht das Gebiet der gesamten Westsahara, also das Territorium der ehemaligen spanischen Kolonie. Zur Zeit übt die Regierung der DARS jedoch nur über rund ein Drittel des Gebietes der Westsahara sowie über vier Flüchtlingslager in Algerien (benannt nach Städten in der Westsahara: El Aaiun, Smara, Ausserd, Dakhla) die Kontrolle aus.
Das dünn besiedelte, hauptsächlich aus Wüste bestehende sahraouische Gebiet (genannt auch die Befreiten Gebiete), welches durch die Regierung der DARS verwaltet wird, ist durch eine von Marokko erbaute 2800 Kilometer lange, verminten Mauer vom marokkanisch besetzten Teil der Westsahara getrennt.
Die DARS ist Mitglied der Afrikanischen Union und weltweit von mehr als 50 Staaten anerkannt.
Die Frente Polisario
Die Frente Polisario (Frente Popular para la liberacion de Saguia el hamra y Rio de Oro) ist die Befreiungsbewegung der Sahraouis(der Bewohner_innen der Westsahara). Sie wurde am 10. Mai 1973 gegründet mit dem Ziel, die Westsahara von der Kolonialmacht Spanien zu befreien. Als sich Spanien aus der Westsahara 1975 zurückzog, marschierten die Soldaten der Nachbarländer Marokko und Mauretanien in das Land ein und besetzten es. Die Frente Polisario setzte den Kampf gegen die neue Besatzung fort und gründete zugleich in der Nähe der algerischen Stadt Tindouf die Flüchtlingslager der aus ihrer Heimat vertriebenen Sahraouis. Die Polisario ist von der UNO als Verhandlungspartner und rechtmäßige Vertretung des sahrauischen Volkes anerkannt und hat diplomatische Vertretungen in vielen Staaten.
Am 27. Februar 1976 rief die Frente Polisario die DARS (Demokratische Arabische Republik Sahara) aus.
Unter Vermittlung der UN-Generalsekretär Javier Perez de Cuellar unterschrieb die F. Polisario 1991 den UNO-Friedensplan für die Westsahara. Seitdem ist ein fragiler Waffenstillstand mit Marokko in Kraft getreten.